Immersive Site-specific Performance von Grace Euna Kim 

Termine:
2. September 2022, 19:52 Uhr
3. September
2022,19:50 Uhr
Location: Moabiter Stadtgarten, neben dem ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin, Siemensstraße 27, 10551 Berlin
Zur Bestätigung Ihrer Teilnahme und des weiteren Interesses an dem Projekt:
https://forms.gle/RsKWpt24CPE3BC586

Pressemitteilung (de/eng) und Bilddownload finden Sie unten

Mit ihrer neuen immersiven Performance „Unspeakable Community“ präsentiert Grace Euna Kim eine subversive Erkundung von Antizipation und Zusammengehörigkeit um, die Erwartungshaltungen auf den Prüfstand .

Ein breites Berliner Publikum wird eingeladen, im Park zusammenzukommen, ohne zu wissen, was genau passieren wird. Was sich vor Ort entfaltet, ist eine immersive soziale Choreografie: ein unvorhersehbares Experiment in radikaler Solidarität, welches das „Theater“ des Publikums auf den Kopf stellt und die Fiktionen der Realität in Frage stellt.

„Language should be tortured to tell the truth“: Lichtinstallation am Haus der Statistik. Experimentelle Guerrilla-Aktion im Rahmen von Grace Euna Kims Projekt „Unspeakable Community“ ©Grace Euna Kim

Die performative Begegnung hinterfragt das Versagen der Sprache in Zeiten der Krise und wie dies die Bedingungen für soziale Konflikte und Unterdrückung schafft. Durch die Gestaltung eines wahrnehmungsorientierten, nonverbalen, sensorisch aufgeladenen Raums, der nur durch menschliche Körper im Raum aktiviert wird, will Kim das, was sich hinter den Konstrukten der Sprache verbirgt, auspacken. Ziel ist es, eine transparente Intimität zwischen Fremden mit unterschiedlichen (und sogar gegensätzlichen) Ansichten zu ermöglichen.

Im Kern fragt die Arbeit nach dem Potenzial von Meinungsverschiedenheiten als Grundlage für radikale Solidarität. Wie können wir Räume des Widerstands und der Solidarität schaffen, ohne ungewollt neue Formen der Ausgrenzung zu produzieren? Was würde es bedeuten, „Solidarität in der Differenz“ durch Taten und nicht durch Worte zu verkörpern? Wie können wir Sprache gegen Sprache einsetzen?

„Language should be tortured to tell the truth“ – Grafitti von Grace Euna Kim. Wie können wir Sprache gegen Sprache einsetzen? fragt sich die Choreographin in ihrer aktuellsten Forschungsarbeit zum Thema symbolische Gewalt. 

Die politischen Theoretiker Ernesto Laclau und Chantal Mouffe schlagen ein Modell der „radikalen Demokratie“ vor, das den Konsens ablehnt und ihn als Grundlage des Totalitarismus ansieht. Stattdessen argumentieren sie, dass die Spannungen der Unterschiede für eine gesunde pluralistische Gesellschaft unerlässlich sind. Sie schlagen vor, dass die Unterbrechung konsensbasierter Bedeutungssysteme (wie jene der Sprache) ein Weg sein könnte, das „Reale“ sichtbar zu machen, das hinter den kollektiven Skripten verborgen ist, die unsere Weltanschauungen prägen. Und dass wir auf diese Weise möglicherweise die vorherrschenden Ideologien neu erfinden können. In diesem Sinne will „Unspeakable Community“ das transgressive Potenzial immersiver sozialer Choreografie erforschen und als Katalysator dienen, um kollektiv neue Wege des Zusammenseins zu hinterfragen, sich vorzustellen und zu erproben.

Vornehmlich entwickelt sich die Arbeit aus dem Input des Einsatzes von Massenkommunikation sowie verschiedener experimentelle Guerilla-, Bürger- und Aktivistenkommunikation und Social-Media-Taktiken. Verschiedene Provokationen im virtuellen und urbanen Raum entfalten sich im Laufe des Augusts zu „Einladungen“ zur Performance. Grace Euna Kim wendet sich damit an ein interkulturelles Publikum aus dem gespaltenen Berlin, um es im September zu einem kollektiven Experiment in radikaler Solidarität zusammenzubringen. Diese transkulturellen und mehrsprachigen Aktionen zielen darauf ab, Fragen an ein breites Spektrum von Menschen und Gemeinschaften in ganz Berlin zu stellen – von der extremen Linken bis zur extremen Rechten, von den am stärksten Marginalisierten und Ausgegrenzten bis zu den gewöhnlichsten und privilegiertesten.

Ein ständiger Begleiter des Austauschs ist die Kritik daran, wie Sprache durch ihre Beschränkungen, ihre sozialen Masken und ihre performativen Skripte potenziell Antagonismus erzeugt. Wie Sprache potenziell Käfige schafft, Grenzen absteckt, trennt, statt zu vereinen, und ausgrenzt, statt Brücken zu bauen oder Empathie zu wecken. Was würde passieren, wenn „Vielfalt“ ALLE Menschen einschließt, auch diejenigen, mit denen wir nicht übereinstimmen oder mit denen wir in Konflikt geraten und uns sogar von ihnen unterdrückt oder provoziert fühlen? Könnten wir jenseits der etablierten Bedeutungssysteme eine Solidarität erfahren, die uns trotz unserer Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten in einem Raum jenseits der Sprache vereint?

Twitter:

@UnspeakableCom

Instagram:

@t.h.ebe.auti.fulso.uls

Grace Euna Kim

ist eine koreanisch-amerikanische Performance- und bildende Künstlerin, Choreografin und Forscherin, die immersive Begegnungen mit einem Blick durch psychoanalytische und kritische Theorie entwirft. Die kommende Produktion ist die vierte einer Serie, die sich seit 2013 mit symbolischer Gewalt (Žižek) und dem Körper als Ort des Widerstands beschäftigt. In ihrer Performance und sozialen Praxis setzt sie Methoden der Dekonstruktion und Subversion als Mittel ein, um das Publikums miteinzubeziehen, zu entschlüsseln und schließlich verankerte gesellschaftliche Themen zu bearbeiten. Grace Euna Kim hat Performances in verschiedenen ortsspezifischen Kontexten inszeniert – von stadtweiten öffentlichen Interventionen über Kultur- und Bildungseinrichtungen bis hin zur Intimität eines Privathauses. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Kunst- und Forschungskontexten präsentiert, darunter das Haus der Statistik, Berlin, das Schauspiel Leipzig, das Frankfurt Lab, das ZK/U-Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin, die ASCA Universität Amsterdam, Solyanka VPA, Moskau, die Blueproject Foundation, Barcelona uvm. Sie ist Dozentin an der Weißensee Kunsthochschule Berlin – MA Spatial Strategies Program.

www.euna-kim.com

Die kommende Produktion wird unterstützt von dem NATIONALE PERFORMANCE NETZ – STEPPING OUT, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Initiative NEUSTART KULTUR. Hilfsprogramm Tanz.

Gefördert durch die Gwärtler Stiftung

In Kooperation mit dem ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin

Download Pressemitteilung und Pressebilder


Mehr Infos unter: https://jungesfeld

„Language should be tortured to tell the truth“: Lichtinstallation am Haus der Statistik. Experimentelle Guerrilla-Aktion im Rahmen von Grace Euna Kims Projekt „Unspeakable Community“ ©Grace Euna Kim
„Language should be tortured to tell the truth“ – Grafitti von Grace Euna Kim. Wie können wir Sprache gegen Sprache einsetzen? fragt sich die Choreographin in ihrer aktuellsten Forschungsarbeit zum Thema symbolische Gewalt. 
Standtort-bezogene Performance „The Beautiful Souls” am Haus der Statistik 2021. Die Performance war die dritte einer Serie von Grace Euna Kim, die sich mit symbolischer Gewalt auseinander setzt. „Unspeakable Community“ knüpft an diese Serie an.
Video Still der Performance „The Beautiful Souls“ von Grace Euna Kim 2021. The Beautiful Souls thematisiert die Politik der Wahrnehmung und die Gewalt der Begegnung mit dem Anderen.
Potrait der Performance- und bildende Künstlerin Grace Euna Kim.
Die Choreografin und Forscherin entwirft immersive Begegnungen mit einem
Blick durch psychoanalytische und kritische Theorie.

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