Mit: Iduna Hegen, Uta Lindner, Minouche Petrusch, Michaela Millar, Robert Lange

Termine: 19.11, 20.11., 23.11., 24.11., jeweils um 20 Uhr

Weitere Termine im Februar 2022: 10.2. um 19 Uhr, 11.2. und 12.2. um 20 Uhr, 13.2. um 19 Uhr

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Wie ist es, als Frau alt zu werden? Regisseurin Katharina Kummer begab sich für ihr neues Theaterstück „so much pain! a bodypiece for LIZ“ auf die Suche. Sie interviewte alte Frauen aus den verschiedensten Milieus und durchsuchte die Kulturgeschichte nach der Figur der „Alten”. Ihr fiel auf, dass über der Thematik ein dichter Nebel liegt, und als sie weitergrub, stieß sie auf Schmerz. Viel Schmerz.

So much Pain. Foto: Julia Bosch

Inmitten dieses Schmerzes sitzt das Publikum in „so much pain! a bodypiece for LIZ“ zusammen mit den Schauspielerinnen Iduna Hegen (*1955), Uta Lindner (*1954) und Minouche Petrusch (*1976), die drei verschiedene Arten des Alterns verkörpern: Selbstbewusst und zweifelnd, stark und zart, unabhängig und verzweifelt sitzen sie um eine lange Tafel herum, klappen im schummrigen Licht goldene Erinnerungskistchen auf und flüstern sich zu: „Wie geht es Dir mit dem Älterwerden?“ Dann werden ihre Stimmen lauter, Spiegel zerscheppern, stolz und unabhängig balancieren sie über die reich gedeckte Tafel und geben sich schließlich ganz dem Genuss und ihrer Weiblichkeit hin. Ihre Stimmen erheben sich zum Chor, die Frauen werden zu einer kollektiven Stimme. Sie erscheinen als magische Repräsentanten, die selbst die vergessenen Schreie der grausamen Hexenverbrennungen wieder hörbar machen.

Die ‚Alte‘ wird in der Kulturgeschichte oftmals als Hexe dargestellt. „Sie ist das Andere, Ausgeschlossene, Bedrohliche, Störende“, erklärt Katharina Kummer. Auch in unserer heutigen Gesellschaft ist die „Alte” oftmals die Vergessene, die am meisten von Armut und Einsamkeit Bedrohte. Doch in Kummers Interviews zeigte sich auch eine andere Seite dieser Abgeschiedenheit: Sie gibt den Frauen die Möglichkeit, sich jenseits patriarchaler Verwertungsmuster bewegen zu können und führt somit oftmals zu einer neuen Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Katharina Kummer beschäftigt sich im Rahmen eines Triptychons seit langem mit Figuren von Weiblichkeit. Ihre Uraufführung von „wir werden alle unsre mütter“ (2014) speiste sich aus jahrelangen Recherchen über die Gestalt der Mutter. In der Wiener Uraufführung von „MIRJAM & MYRIAM oder: sieh dich vor, im Traum eines kleinen Mädchens gefangen zu sein“ (2016) erforschte sie die Figur des Mädchens. „so much pain! a bodypiece for LIZ“ bildet mit der Figur der „Alten“ nun den Abschluss dieses Triptychons.

Katharina Kummer studierte Linguistik an der Humboldt Universität, dann Puppentheater an der HfS Ernst Busch und hat in Kombination beider Metiers eine eigene Theatersprache und einen sehr speziellen Zugriff auf Puppentheater entwickelt. Ihre sowohl text- als auch bilderstarken Inszenierungen nennt sie Bühnenessays.

So much Pain. Foto: Julia Bosch

Seit Jahren arbeitet Kummer mit der Modedesignerin Julia Bosch zusammen, deren Entwürfe weit über Kostümbild hinausgehen und vielmehr Gestalten erschaffen, die die Spielerinnen zu Wesen und Kreaturen machen.

Iduna Hegen (*1955) und Uta Lindner (*1954) gehören zu den Gründungsmitgliedern des Theaters und sind seit vielen Jahrzehnten in der Arbeit und im Leben eng verbunden. Die dritte Spielerin ist Minouche Petrusch (*1976). Sie ist seit 10 Jahren Ensemblemitglied. Mit Mitte 40 befindet sie sich als Schauspielerin in einem „Zwischenalter“:  Was spielt sie, wenn sie nicht mehr die Jungen, aber auch noch nicht die Alten spielen kann? Rollenklischees werden dabei kritisch hinterfragt. Alle Themen, die Katharina Kummer mit „so much pain! a bodypiece for LIZ“ mitbringt, spiegeln sich auch in der Arbeit als professionelle Schauspielerinnen wider.

Das Theater o.N. im Prenzlauer Berg schafft unter der künstlerischen Leitung von Dagmar Domrös, Vera Strobel und Doreen Markert Kulturangebote für Kinder und Erwachsene, unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft. Im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters erforscht und entwickelt das Theater o.N. die darstellenden Künste für die Jüngsten und setzt mit seinen Inszenierungen und dem zweijährlich stattfindenden »FRATZ International« mit Gästen aus aller Welt künstlerische Impulse für diese Theaterform. Ursprünglich vor über 40 Jahren von einem Verbund von Schauspieler:innen, Regisseur:innen, Puppenspieler:innen, Musiker:innen und Schriftsteller:innen gegründet, war das Theater o.N. – damals bekannt unter dem Namen Zinnober – das erste freie Theater der DDR.

Mit „traumhaft“ setzte es 1985 eine in Ost und West vielbeachtete Inszenierung in die Welt und begründete seine spezielle Form des biografischen Theaters, das nicht vordergründig politisch sein will und zugleich unmissverständlich Stellung zu den Fragen der Zeit bezieht. 2015 knüpfte das Theater o.N. – 30 Jahre und einen gesellschaftlichen Umbruch später – mit der Ensemblearbeit „Wachträume – ein Panoptikum“ in der Regie von Ania Michaelis an die Themen von „traumhaft“ an. Nach sechs Jahren feiert das Theater o.N.  mit „so much pain! A bodypiece for LIZ“ nun endlich die nächste Inszenierung für Erwachsene in der Kollwitzstraße.

Premiere: 19.11.2021 um 20 Uhr

Weitere Termine: 20.11., 23.11., 24.11., jeweils um 20 Uhr

Regie und Text: Katharina Kummer

Bühne und Kostüme: Julia Bosch

Komposition: Karl-Philipp Kummer

Spiel: Iduna Hegen, Uta Lindner, Minouche Petrusch, Michaela Millar, Robert Lange

Dramaturgie: Dagmar Domrös

Regieassistenz: Michaela Millar

Produktionsleitung: Olga Ramirez Oferil

Lichtdesign und Technik: Robert Lange

Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste e.V. im Rahmen des Programms NEUSTART KULTUR #TakeAction

Weitere Infos unter: https://www.theater-on.de

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So much pain
so much pain! a bodypiece for LIZ. Foto: Julia Bosch
so much pain! a bodypiece for LIZ. Foto: Julia Bosch
so much pain! a bodypiece for LIZ. Foto: Carmelle Rubinstein

so much pain! a bodypiece for LIZ. Foto: Carmelle Rubinstein
so much pain! a bodypiece for LIZ. Foto: Carmelle Rubinstein
so much pain! a bodypiece for LIZ. Foto: Carmelle Rubinstein