Interdisziplinäre Performance-Ausstellung

Montag Modus: ShareHolders 

Interdisziplinäre Performance-Ausstellung im radialsystem 

Künstler*innen u.a. SERAFINE1369 / Omsk Social Club und Hollow / Pankaj Tiwari und Maria Magdalena Kozlowska 

14. August 2021 ab 18 Uhr 

PM und Bildownload finden Sie unten

Was bedeutet es, Raum für sich zu beanspruchen? Und wie können gerade marginalisierte Gruppen dabei helfen, die Zukunft anders zu denken? Diesen Fragen geht die interdisziplinäre Performance-Ausstellung ShareHolders unter der künstlerischen Leitung der ungarischen Kuratorin Léna Szirmay-Kalos im radialsystem nach. Mittels performativer Strategien untersuchen sieben Künstler*innen-Kollektive v.a. aus Berlin und Mittel- und Osteuropa Praktiken und Politiken des Teilens. ShareHolders ist ein dreiteiliges Projekt der Veranstaltungsreihe Montag Modus der kuratorischen Plattform MMpraxis. 

Léna Szirmay-Kalos, künstlerische Leiterin von Montag Modus. Foto: Barbara Antal 

Die künstlerische Leiterin Léna Szirmay-Kalos gehört zu den Gründer*innen der Veranstaltungsreihe. Ursprünglich aus Ungarn stammend, hat Szirmay-Kalos in Berlin, Salzburg und Bergen studiert und arbeitet seit vielen Jahren als freischaffende Dramaturgin und Kuratorin in Berlin. Sie freut sich, den Künstler*innen mit Montag Modus eine Plattform künstlerischer Begegnungen und Experimente bieten zu können, die neben der öffentlichen Veranstaltung auch aus einer einwöchigen Residenz vor Ort besteht. Als eine der Hauptaufgaben ihrer Arbeit versteht die Kulturwissenschaftlerin Szirmay-Kalos, Strukturen und Raum für vielfältige und diverse Kunst zu ermöglichen: „Kuratieren sehe ich als politische Aktion. Es ist eine Möglichkeit, Raum und Sichtbarkeit zu schaffen.“ Gerade in den letzten Jahren seien die Fördermöglichkeiten für Künstler*innen, die nicht ein bestimmtes Narrativ bedienen, stark zurückgegangen – in Mittel- und Osteuropa, aber auch Deutschland. Daher sei es ihr wichtig, „Wege der Zusammenarbeit zu finden, die auch marginalisierte Perspektiven mit einbeziehen”.

SERAFINE1369 (Jamila Johnson-Small), Artist in Residence im Gropius Bau. Foto: Katarzyna Perlak

Das spiegelt sich vor allem in der Auswahl der eingeladenen Künstler*innen wider: Viele von ihnen setzen sich in ihren Arbeiten bewusst mit der Dekonstruktion konventioneller Narrative auseinander, einige sind schon jahrelang in der queeren Szene aktiv. Der*die Tänzer*in und Künstler*in SERAFINE1369 (Jamila Johnson-Small, ehemals bekannt als „Last Yearz Interesting Negro“), Artist in Residence im Gropius Bau, setzt sich in ihrer*seiner* Performance mit dem Verhältnis von Zeit und Subjekt auseinander und stellt die Frage, inwiefern es möglich ist, konventionelle historische Narrative zu transformieren, ohne selbst von ihnen transformiert zu werden. Wie prägt die Erfindung der Kolonialzeit die Art und Weise, wie wir die Zeitlichkeit der Gegenwart wahrnehmen? Was ist persönliche, was historische Erinnerung? SERAFINE1369s Tanzperformance ist dabei gleichermaßen Traumlandschaft wie Schlachtfeld, auf dem historische Narrative decodiert und dekonstruiert werden. 

Auch der indische Künstler Pankaj Tiwari befasst sich in seiner Arbeit „TENT: A School of Performative Practices“ mit der Frage, was es bedeutet, Raum für sich zu beanspruchen. Fokus seiner Arbeit bildet dabei eine eurozentristische Institutionskritik. In seinem „TENT“, einer temporären mobilen Installation, entwickelt der zwischen Amsterdam und Zürich agierende Künstler Strategien, wie man mit einer europäischen Institution kooperiert, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Das Zelt soll alle drei Monate in einer anderen europäischen Stadt aufgebaut werden und kooperiert im radialsystem mit der Theatermacherin Maria Magdalena Kozlowska, die im Rahmen der Veranstaltung als Teil des langjährigen Forschungsprojekts „Opera to the People“ live auf einem in der Spree schwimmenden Boot singen wird. 

Was ist Wahrheit und wer gestaltet sie? Und wie verändern Smartphones unseren Bezug zur Wahrheit? In einer partizipativen Performance- Ausstellung des Berliner Kollektivs Omsk Social Club und dem ungarischen Kollektiv Hollow können Besucher*innen über die Messaging-App Telegram selbst zwischen alternativen Realitäten wählen. In einem immersiven Erlebnis werden sie durch surreale biotechnologische Landschaften geführt, um schließlich selbst Teil einer Erzählung zu werden, die ursprünglich für einen Chat-Bot programmiert wurde. Omsk Social Club wurden durch ihre Cryptoraves bekannt, mit denen sie alternative Finanzierungsmodelle für Kunst- und Kultur entwickelten. Bei Hollow handelt es sich um ein junges, queeres Kollektiv aus Ungarn, das mit seinen Arbeiten bereits Aufsehen erregt hat. Die Kuratorin Léna Szirmay-Kalos befürchtet, dass sich die aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen in ihrem Heimatland Ungarn auch negativ auf die öffentliche Sichtbarkeit von Künstler*innen wie Hollow auswirken können: “Ich bin empört und traurig über diese Entwicklungen.” Gleichzeitig reagiert sie proaktiv darauf: „Ich möchte meine Position dazu nutzen, mit Montag Modus bewusst ein Gegengewicht dazu zu bilden.” Gerade deswegen freue sie sich, Künstler*innen wie Hollow im radialsystem einen Raum für ihre Kunst bieten zu können: „Wir müssen jetzt vor allem solidarisch sein und zusammenhalten.” 

Sa 14.08.2021 ab 18 Uhr 

Eintritt frei. Eine Anmeldung ist erforderlich über register@radialsystem.de 

In englischer Sprache 

Montag Modus wird von der MMpraxis kuratorischen Plattform getragen und gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Mehr Infos unter:

https://mmpraxis.com

https://www.radialsystem.de/programme/66580/240110/

https://www.facebook.com/events/148318914041176/

Sprawled Soilware von Hollow und Omsk Social Club ist eine Produktion von Montag Modus und Sín Arts and Culture Nonprofit Ltd, gefördert von dem Internationalen Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts mir der Unterstützung von MMpraxis, Divadlo X10, Katlan Group, Art Quarter Budapest und Collegium Hungaricum Berlin. 

Beteiligte Künstler*innen und ihre Projekte: 

„Unfurl the Jukebox Musical: a shareable cypher“ Justin F. Kennedy, Emma Waltraud Howes, Ethan Braun und Nkisi 

„DEBRI“ Maru Mushtrieva und Liudmila Savelyeva 

„Sprawled Soilware“ Omsk Social Club und Hollow 

„I I I (something flat, something cosmic, something endless” SERAFINE1369 

„Rub your face onto your shoulder“, Sunny Pfalzer und Marshall Vincent 

„TENT: A School of Performative Practices“ // „Constructive Interference“ Pankaj Tiwari und Maria Magdalena Kozlowska 

Kuratorin: Léna Szirmay-Kalos 

Kuratorische Assistentin: Beatrice Zanesco 

Produktionsleiterin: Magda Garlinska 

Techniker*innen: Sanja Gergoric und Bátor Tóth 

Grafische Gestaltung: Adrienn Császár 

Medienpartner*innen: Ask Helmut, ExBerliner, rbb Kultur, taz und tip Berlin. 

Omsk Social Club: “S.M.I2.L.E – A trip into Synesthesia” in der Volksbühne Berlin 2019.
Sprawled Soilware by Hollow & Omsk Social Club (documentation of the two chapters „Opus Drop“ and „The Mythopoetic Rift) in Budapest
Hollow & Omsk Social Club: Sprawled Soilware (chapter „Windspeed“) in Berlin

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Ankündigungstexte der Veranstaltung in kurz, mittel und lang können Sie hier herunterladen.

Bilddownload

Léna Szirmay-Kalos, künstlerische Leiterin von Montag Modus. Foto: Barbara Antal 
SERAFINE1369: i_i_i_(something flat, something cosmic, something endless)  (2021). Foto: Katarzyna Perlak
Justin Kennedy,
Some Murder Theatre in Here (2020), Performance view at Volksbühne Grüner Salon. Foto: Marcelina Wellmer
UNFURL: a lucid science fiction (2020), Performance view at Martin Gropius Bau, in view—left to right: Justin F. Kennedy, Emma W. Howes, Balz Isler. Foto: Francesco Langer (Berlin)
Team Montag Modus. Foto: Barbara Antal. Montag Modus wird von der MMpraxis kuratorischen Plattform getragen, die 2019 u.a. von der Kuratorin und Kulturwissenschaftlerin Léna Szirmay-Kalos gegründet wurde.
Pankaj Tiwari. Foto: Erik Kamaletdinov
Opera to the People (Amsterdam 2021). Foto: Amirtharay Steven
ALIVE: a durational lucid opera (2019), Performance view at Ateneu Comercial do Porto, in view—left to right: Vlad Gurewich, Ada Pinkston, Ana Rocha. Foto: Duda Affonso (Porto)
Justin Kennedy,
Some Murder Theatre in Here (2020), Performance view at Volksbühne Grüner Salon. Foto: Marcelina Wellmer
SERAFINE1369 (Jamila Johnson-Small). Foto: Katarzyna Perlak
Opera to the People (Amsterdam 2021). Foto: Amirtharay Steven
Opera to the People (Amsterdam 2021). Foto: Amirtharay Steven
Ethan Braun, Some Murder Theatre in Here (2020), Performance view at Volksbühne Grüner Salon. Foto: Marcelina Wellmer

Emma Waltraud Howes,
Scores for Daily Living (2019), Performance view at ZIL. Foto: Valeriya Titova
Emma Waltraud Howes,
Scores for Daily Living (2019), Performance view at ZIL. Foto: Valeriya Titova
Hollow & Omsk Social Club: Sprawled Soilware (Windspeed). Foto: Lisa Koch
Liudmila Savelyeva. Foto: Maru Mushtrieva

Maru Mushtrieva und Liudmila Savelyeva: DEBRI. Foto: Antonio Hofmeister-Ribeiro.
Omsk Social Club: The Living Virtual Theatre at Shedhalle Zurich (2020). Foto: Carla Schleiffer
Hollow & Omsk Social Club: Sprawled Soilware (Windspeed). Foto: Lisa Koch
Maru Mushtrieva. Foto: Liudmila Savelyeva
Maru Mushtrieva und Liudmila Savelyeva: DEBRI. Foto: NASA.
Hollow: Phönix, UbiEklektik. Foto: Orsi Varga
Hollow & Omsk Social Club: Sprawled Soilware (Windspeed). Foto: Lisa Koch
Sunny Pfalzer. Foto: Anna Ehrenstein
Omsk Social Club and !Mediengruppe Bitnik: Cryptorave #9 (Onassis Foundation, Athens 2019). Foto: Mike Tsolis
Omsk Social Club and !Mediengruppe Bitnik: Cryptorave #9 (Onassis Foundation, Athens 2019). Foto: Mike Tsolis

Omsk Social Club: Eastyn Agrippa Ritual (Unrealism at Kunstraum Kreuzberg and Tamago 2020). Foto: Eric Tschernow. (Running for 58 days over three venues including the website unrealism.live as part of the exhibition “Journey into Living Being” curated by Tilman Baumgärtel)

Omsk Social Club: S.M.I2.L.E – A trip into Synesthesia (Volkbühne Berlin, 2019). Foto: Mark Hunt aka player Jack

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