Interdisziplinäre Performance-Ausstellung

Künstler*innen: Cru Encarnação, Göksu Kunak, Fette Sans und Maru Mushtrieva

18. Oktober 2021, 18:00-22:00 Uhr, Alte Münze

Eintritt frei. Eine Anmeldung ist erforderlich unter montag.modus@gmail.com.

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Was bedeutet Teilen in einer kapitalistischen Welt? Und wie verändert der digitale Raum unser Verständnis des Teilens? Mittels performativer Strategien untersuchen vier Künstler*innen in der letzten Ausgabe der dreiteiligen Veranstaltungsreihe „ShareHolders“ Praktiken und Politiken des Teilens. „Wir wollen dabei den Begriff des shareholders machtkritisch umkehren“, erklärt die künstlerische Leiterin Léna Szirmay-Kalos. Während shareholder eine Person bezeichnet, die Anteilseigner*in eines Unternehmens ist, also an der kapitalistischen Ordnung teilnimmt und qua Mitspracherecht über andere entscheiden kann, werden in ShareHolders das Teilen (share) und Halten (hold) bewusst getrennt geschrieben: Hier wird gemeinschaftlich und machtkritisch geteilt und mitgeteilt.

„Die Besonderheit von ShareHolders ist, dass wir Künstler*innen einladen, nicht Projekte“, erklärt Léna Szirmay-Kalos. „Die Künstler*innen können dann selbst entscheiden, wie sie sich mit dem Thema des Teilens auseinandersetzen wollen.“ Die ausgestellten Werke sind autobiographisch geprägt und hinterfragen auf einer persönlichen Ebene kollektive Bedingungen geteilter Realitäten. Dabei wird die persönliche Erzählung mit den großen sozialen, künstlerischen und politischen Dimensionen der (virtuellen) Welt verknüpft.

Gucci Chunk alias Göksu Kunak in AN(A)KARA. Foto: Ethan Folk

So etwa in der Performance „AN(A)KARA“ von Gucci Chunk alias Göksu Kunak, die als eine installative Version einer Sci-Fi-TV-Varietéshow neoliberale Ästhetiken und Sprechweisen türkischer Morningshows hinterfragt: In persönlichen Erinnerungen eines muslimischen Kindes untersucht Göksu Kunak die 80er und 90er Jahre in der Türkei und thematisiert dabei Klischees und Konflikte zwischen Ost und West. Göksu Kunak erzählt etwa, wie die eigene türkische Großmutter darauf reagierte, dass er*sie nach Berlin ziehen wollte: Sie bat Göksu zunächst, zu bleiben. Hatte die Türkei Deutschland nicht schon genug Menschen gegeben? Dann sagte sie, die selbst nur einen Grundschulabschluss hatte machen können: „This time, instead of the labor, the immigration of the brains is happening.“

Fette Sans :„The bitter ends of (the technologies of tenderness)“

Auch die Künstlerin Fette Sans widmet sich ihrer Arbeit „The bitter ends of (the technologies of tenderness)“ Praktiken des Teilens. Ihre durational performance erschafft einen Raum, in dem die Wahrnehmung von Abwesenheit reflektiert wird. Die während der Pandemie entstandene Arbeit spricht von verdrängten Körpern, von Körpern, die es sich nicht leisten können, nur rumzuliegen. Außerdem spielt sie mit der prekären Grenze zwischen dem realen und dem digitalen Raum.„Der Begriff des Teilens ist in der digitalen Welt zu einer Metapher geworden“, erklärt die künstlerische Leiterin Léna Szirmay-Kalos. „Nutzer*innen verwandeln ursprünglich private, intime Momente in öffentliches Wissen – und teils sogar in Waren.“ Auch die Künstlerin Maru Mushtrieva befasst sich in ihrer Arbeit mit digitalen Medien. In ihrer akustischen Tour „scratching the virtual off the skin while taking a selfie at the seashore” nutzt sie den intimen Raum des Hörens, um über die Ursprünge von Ritualen und die Magie des pars pro toto und Selfies als deren verdrehte, entfernte Nachfahren nachzudenken.

ShareHolders ist eine Veranstaltungsreihe von Montag Modus und MMpraxis, einer in Berlin ansässigen kuratorischen Plattform, die seit 2019 als mobile Institution Veranstaltungen, Diskussionen und Rechercheprojekte zum Thema Live Art fördert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Schnittstelle zwischen der darstellenden und der bildenden Kunst, etwa auf Choreografie, zeitbasierten Medien oder Performance. Den Künstler*innen wird mit Montag Modus eine Plattform künstlerischer Begegnungen und Experimente geboten, die neben der öffentlichen Veranstaltung auch aus einer einwöchigen Residenz vor Ort besteht.

In dieser Ausgabe von ShareHolders haben die Kuratorin Léna Szirmay-Kalos und ihr Team außerdem auch gezielt Künstler*innen eingeladen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen: „Uns ist es wichtig, auch solche Künstler*innen zu fördern, die vielleicht noch weniger bekannt sind.” So handelt es sich etwa bei Cru Encarnaçãos Arbeit um Encarnaçãos erste Videoperformance. Ursprünglich aus Lissabon stammend, hat Cru Encarnação in Berlin Philosophie und Komparatistik studiert. Der dissoziative, fiktive und spekulative Modus Operandi seiner*ihrer Arbeiten enthüllt eine zerbrechliche, aber bösartige Realität.

Cru Encarnação, Göksu Kunak, Fette Sans und Maru Mushtrieva sind am 18. Oktober in der Alten Münze zu sehen. 

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich unter montag.modus@gmail.com.

18. Oktober, 18:00-22:00 Uhr, Alte Münze

In der untere Etage der Räumlichkeiten kann sich frei bewegt werden. Fragen zur Barrierefreiheit bitte an montag.modus@gmail.com.

Montag Modus wird von der MMpraxis kuratorischer Plattform getragen und gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Mehr Infos unter: https://mmpraxis.com.

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Gucci Chunk alias Göksu Kunak in AN(A)KARA. Foto: Ethan Folk
Gucci Chunk alias Göksu Kunak in AN(A)KARA. Foto: Ethan Folk
Cru Encarnação
Léna Szirmay-Kalos, künstlerische Leiterin von Montag Modus. Foto: Barbara Antal 
Gucci Chunk alias Göksu Kunak in AN(A)KARA. Foto: Ethan Folk
Gucci Chunk alias Göksu Kunak in AN(A)KARA. Foto: Ethan Folk
Fette Sans :„The bitter ends of (the technologies of tenderness)“
Cru Encarnação
Team Montag Modus. Foto: Barbara Antal. Montag Modus wird von der MMpraxis kuratorischen Plattform getragen, die 2019 u.a. von der Kuratorin und Kulturwissenschaftlerin Léna Szirmay-Kalos gegründet wurde.

Fette Sans :„The bitter ends of (the technologies of tenderness)“
Gucci Chunk alias Göksu Kunak in AN(A)KARA. Foto: Ethan Folk
Fette Sans :„The bitter ends of (the technologies of tenderness)“
Maru Mushtrieva. Foto: Liudmila Savelyeva
Maru Mushtrieva: „scratching the virtual off the skin while taking a selfie at the seashore”

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