Bericht in der taz von Tom Mustroph über die Premiere am 17.11.21: https://taz.de/Performance-ueber-die-Teilung-Zyperns/!5816457/

Bericht in „Theater heute“ von Eva Behrendt: https://www.der-theaterverlag.de/theater-heute/aktuelles-heft/artikel/spur-der-steine/

Auf den Spuren der Unzugänglichkeit: GREEN LINE im Heizhaus der Uferstudios – eine performative Kartographie der LOSE COMBO

LOSE COMBO feat. Duo Tocar | Performance | Konzert | Installation

17. – 21. November im Heizhaus der Uferstudios, 19 Uhr

PM und Bilddownload finden Sie unten

Ein Korridor aus grün-grauer Steinwolle nimmt die Mitte des Raumes im neu renovierten Heizhaus Wedding ein. Das roh belassene Mauerwerk ist von Geschichtsspuren gezeichnet, durch die vielen großen Fenster bricht das Licht. Während im frei zugänglichen Performance-Raum die bewegten Klangflächen von Violine, Klavier und Tonband zu hören sind, erlebt man im schallabsorbierenden Korridor gewissermaßen eine negative Klanginstallation, eine vielleicht bedrückende Ruhe: eine „akustische Quarantäne“. 

„Performative Kartographie“ nennt die LOSE COMBO von Jörg Laue ihre bildnerisch-musikalische Performance GREEN LINE, die sich künstlerisch mit Erkundungen  (vermeintlich) unzugänglicher Grenzbereiche befasst. Für die Zuschauer*innen gibt es künstlerische Territorien aus Konzert, Performance, Vortrag und Installation zu entdecken: Ob Bildvorträge, filigrane Klangkompositionen oder etymologische und geologische Verkettungen – ein Assoziationsraum um politische sowie landschaftliche Grenzbereiche entsteht.

Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
Lose Combo und Duo Tocoar zeigen: Green Line im Heizhaus der Uferstudios: Urauffuehrung 17. November 2021.
previous arrow
next arrow

„In GREEN LINE beschäftigen wir uns mit Unzugänglichkeit und der Fragwürdigkeit von Grenzziehungen”, erklärt der künstlerische Leiter Jörg Laue. Die Arbeit hat dabei eine besondere Pointe erfahren: Für das Projekt war eine Recherchereise nach Zypern zu der UN-Pufferzone, auch Green Line genannt, geplant, die die Insel in einen türkischen Teil im Norden und einen griechischen Teil im Süden trennt. Der Zugang zu diesem 180 Kilometer langen Landstrich, der wie aus der Zeit gefallen aus Geisterstädten und längst verwildertem Kulturland besteht, unterliegt strengsten Auflagen. Durch die pandemiebedingten Reisebeschränkungen war dieser Zugang nun aber faktisch verstellt. Und somit entstand ein Großteil der Arbeit am Schreibtisch – genau wie die Green Line in Zypern, die zunächst nur ein grüner Strich war, der an einem Schreibtisch auf eine militärische Karte gezeichnet wurde. „Diese strukturellen Ähnlichkeiten interessieren uns”, erzählt Jörg  Laue. „Diese Verschiebungen und Dopplungen und letztlich viralen Grenzüberschreitungen wurden zu einem anderen Zugang.”

In GREEN LINE wie auch schon in dem vorangegangenen Projekt ALTAS´ WIRBEL erforscht die LOSE COMBO, wie das philosophische Verfahren des „Mapping“ für eine performative Reflexion von sozialen und politischen Vorgängen eingesetzt werden kann. Neben der namensgebenden „Green Line” in Zypern beschäftigt sich das Projekt auch mit dem Mauer- und Grenzstreifen in und um Berlin. Zwei Performer*innen und zwei Musikerinnen begeben sich im Heizhaus der Uferstudios in ein Gewebe aus historischen und zeitpolitischen Recherchen, geologischen Erkundungen und etymologischen Verkettungen, die in ihrem Zusammenkommen im Performance-Raum kuriose Verbindungen herstellen. Ausgehend von der Herkunft, Geschichte und Bedeutung von Worten spinnt sich ein Netz an Verbindungen, das die LOSE COMBO fasziniert: Das Wort „Mine“ z.B. geht zurück auf das Mineralgestein selber, das Erz. So wird die Bezeichnung „Mine“ zu den Orten, an denen es gewonnen wurde, den Bergwerken. Zugleich ist es auch die Bezeichnung für Werkzeuge und im nächsten Schritt für Waffen usw. Der Name „Zypern“ verweist nun auf „Kupfer“, ein Erz, das auf dieser Insel, die später danach benannt wurde, gefunden und abgebaut wurde.

Filigrane Klangerkundungen steuern hierbei die Musikerinnen des Duos Tocar bei. Geräuschhafte Flächen und artifizielle elektronische Klänge bilden als mikrotonales Gewebe die Landschaft ab – kartographische Konturen bilden dabei die Grundlage einer Partitur für ihre musikalischen Live-Aktionen. „Landscape, das fühlt man hier, ist immer auch soundscape“,  erklärt der Künstler Jörg Laue.

Jörg Laue ist seit Jahrzehnten unter dem Label LOSE COMBO für seine installativen Performances an den Schnittstellen zur Bildenden Kunst, zur Neuen Musik, zu Philosophie und Literatur bekannt. Für seine nicht nur in Theatern, sondern an unterschiedlichsten Orten inszenierten Arbeiten bildet er immer wieder neue künstlerische Kollektive, um je flexible personale Konstellationen und infrastrukturelle Lösungen zu schaffen – lose Kombinationen eben. An diesem Verständnis eines – im buchstäblichen Sinn – projekt-orientierten Arbeitens (und Produzierens) hält die LOSE COMBO bis heute fest. 

Für GREEN LINE arbeitet die LOSE COMBO zusammen mit dem Duo Tocar, der Pianistin Nadezda Tseluykina und der Violinistin Susanne Zapf, die für das Zusammenführen Neuer Musik mit Werken der Tradition bekannt sind. Die Künstlerinnen wollen mit ihrem Spiel das Publikum einerseits für die zeitgenössische Musik begeistern und gleichzeitig die Aktualität der Werke des 18. bis 20. Jahrhunderts hervorheben. „Unser Anliegen ist es vor allem, intellektuelle Musik auch emotional erfahrbar zu machen.“ Gleichzeitig will das Duo auch immer das Augenmerk auf die Struktur der Musik lenken und ist somit der ideale Partner für die vielschichtigen Klangkartographien der LOSE COMBO.

Konzept / Raum / Text / Klänge / Video Jörg Laue | Performance Claudia Splitt / Florian Feigl | Duo Tocar Susanne Zapf (Violine), Nadezda Tseluykina (Klavier)| Technische Leitung / Lichttechnik Fabian Bleisch | Klangregie / Tontechnik Mattef Kuhlmey | Bildregie / Video- und Computertechnik Florian Fischer | Künstlerische Mitarbeit Nina DeLudemann / Fanny Frohnmeyer | Produktionsleitung M.i.C.A. – Movement in Contemporary Art, Raisa Kröger / Katharina Meyer | Presse / ÖA fellow Publishing – Johannes Fellmann | Grafikdesign Carmen Klaucke

Förderer

Eine Produktion der LOSE COMBO, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, den Hauptstadtkulturfonds und durch die initiative neue musik berlin e.V., in Kooperation mit dem PSR Kollektiv – Heizhaus Uferstudios Berlin.

Performerin Claudia Splitt in GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de
GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de

Performer Florian Feigl in GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de
GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de

GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de
GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de

Nadezda Tseluykina in GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de
Claudia Splitt und Florian Feigl in GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de
Susanne Zapf in GREEN LINE. Foto: david baltzer / bildbuehne.de
Partiturskizze GREEN LINE Copyright: Jörg Laue

Atlas Wirbel‘ | Container. Copyright: David Baltzer / bildbuehne.de
Atlas Wirbel‘ | Container. Copyright: David Baltzer / bildbuehne.de
Faraday’s Cage // Lose Combo feat. Kammerensemble Neue Musik Berlin | St. Elisabeth-Kirche | 1. September 2006 | Copyright: David Baltzer/Zenit.
Gegendarstellung | 4. Juni 2010| Sophiensaele | Copyright: David Baltzer/bildbuehne.de.